Herbstmeister

Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Also vermutlich niemand. Dass Lommiswil gut mit den anderen Zweitligisten würde mithalten können, das schon. Die Mannschaft ist gefestigt, verteidigt solide und solidarisch. Und hat nach vorne den einen oder anderen Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Der vierte, vielleicht sogar der dritte Rang waren realistische Ziele gewesen vor der Saison.

Nun ist es zur Winterpause der erste Rang. Und das ist nicht einfach nur Zufall. Es waren einige wirklich sehenswerte Auftritte dabei in dieser Hinrunde. Kämpferisch musste sich die Mannschaft sowieso noch vor keinem Gegner verstecken. Und nun spielt sie, zumindest phasenweise, richtig guten Fussball. Und schiesst Tore. Über zwei im Schnitt pro Spiel. Insbesondere Urosevic hat sich als Goalgetter hervorgetan. Das Prunkstück des Teams bleibt aber weiterhin sein Abwehrverhalten. Und zwar von Ebel zuvorderst bis zu Bracher zuhinterst. Zwölf Gegentore in elf Spielen, dazu nie mehr als zwei Gegentore pro Spiel. Und dies, während sich die Konkurrenz gleichzeitig mit Eishockeyresultaten überbot.

Zu den starken Leistungen kam natürlich auch eine Spur Glück dazu. Zwei Siege und zwei Niederlagen: So die Bilanz nach den ersten vier Spielen. Seither hat sich der FC Lommiswil regelrecht in einen Rausch gespielt. Es gab nur noch Dreier. Sieben in Folge. Da waren durchaus auch Spiele dabei, in denen man Punkte hätte abgeben können. Gegen Wangen zum Beispiel, oder in Olten. Das soll die Leistung dieser Mannschaft keineswegs schmälern. Aber wenn es läuft, dann läuft es einfach. Und wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht.

Das muss aktuell der FC Mümliswil erleben. Der letzte Gegner der Lommiswiler vor der Winterpause. Keineswegs ein schlechtes Team. Aber eins mit einer miserablen Vorrunde. Und irgendwie war auch das Spiel zwischen den beiden sinnbildlich für die jeweiligen Saisons. Die Mannschaften spielten auf Augenhöhe. Doch während Lommiswil vor dem Tor erfolgreich war, hätten die Mümliswiler wohl noch stundenlang anrennen können und wären entweder an einem Lommiswiler, am eigenen Unvermögen oder am Aluminium gescheitert.

In der Startphase waren die Lommiswiler besser. Dem Heimteam aus Mümliswil waren die vielen Niederlagen deutlich anzumerken, insbesondere in der Abwehrreihe wirkten sie verunsichert. Da half es sicherlich auch nicht, dass ein Innenverteidiger bereits nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. Minutenlang spielte Lommiswil in der Folge in Überzahl, während sich ein Ersatzmann warm machte. Und diese Überzahl nutzten die Gäste: Sonderegger, mit einem Kraftakt im Zentrum an seinem Gegenspieler vorbei, lancierte Dornbierer in die Tiefe. Der traf aus 16 Metern eiskalt per Pfosten ins weite Eck.

Danach war der Mümliswiler Ersatzmann endlich warm, die Mannschaften spielten wieder elf gegen elf. Und nach und nach steigerten sich die Mümliswiler. Gerade defensiv wirkten sie nun etwas stabiler, auch wenn sie ihre Unsicherheiten über 90 Minuten nie ganz ablegen konnten. Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Und da zeigte sich, wie viel Selbstvertrauen wert ist. Während kein Team deutlich besser war als das andere, waren es die Lommiswiler, die in allen Aktionen eine Spur spritziger, aggressiver, gefährlicher wirkten. Traumhaft dann das 2:0, als Hunziker einen Freistoss aus 20 Metern in den Winkel zirkelte. Mit dieser Führung gingen beide Mannschaften in die Pause.

Der Start in Halbzeit zwei war dann wieder klassisch Lommiswil. Muss man mittlerweile leider sagen. Während Mümliswil voller Elan den Anschlusstreffer suchte, waren die Lommiswiler gedanklich wohl noch beim Pausentee. Nach wenigen Sekunden rettete ein erstes Mal die Latte für Lommiswil. Unerklärlich dann, wie Lommiswil in den Folgeminuten fast schon blindwütig alles nach vorne warf. Prompt kam das Heimteam per Gegenstoss zur nächsten Grosschance. Die es erneut liegen liess. Immerhin: Während Lommiswil gegen Olten, Bellach oder Subingen jeweils fast die gesamte zweite Hälfte nur noch reagierte, steigerte sie das Team sich gegen Mümliswil im Verlauf von Durchgang zwei. Nach und nach konnte Lommiswil das Geschehen beruhigen, die Lücken schliessen und das Spiel wieder ausgeglichen gestalten. Beide Teams kamen nun zu, teils hochkarätigen, Torchancen. Tore fielen aber keine mehr. Mümliswil scheiterte noch ein zweites Mal an Aluminium, ein Schuss aus rund elf Metern wurde deutlich drüber gehauen und immer und immer wieder stellte sich irgendwie noch ein Lommiswiler zwischen die Mümliswiler und ihr Glück. Insbesondere Amiet, der für die abwesenden Karpf und Belloni in die Innenverteidigung rückte. Bei einem seiner seltenen Auftritte auf dieser Position machte er neben Bachmann, der gewohnt souverän agierte, ein sackstarkes Spiel.

Nach vorne sündigten nun aber auch die Lommiswiler im Abschluss. Ebel stolperte die Kugel aus drei Metern am leeren Kasten vorbei. Choque schlenzte die Kugel alleine vor dem Kasten fast schon meterweit daneben. Und Urosevic haute die Kugel aus elf Metern an die Latte. Wobei hier der Torwart in einem starken Reflex die Arme noch hochreissen konnte und die Kugel entscheidend ablenkte. Weil Lommiswil den Sack nicht zumachte und die Mümliswiler bis zuletzt anrannten, war der Spielausgang lang offen. Hier müssen sich die Lommiswiler nicht nur fehlende Chancenverwertung vorwerfen lassen. Sie schafften es in den Schlussminuten auch zu selten, Tempo aus dem Spiel zu nehmen, den Ball einmal in den eigenen Reihen zu halten und die Uhr herunterlaufen zu lassen. Dazu fehlte die nötige Cleverness. Da Mümliswil aber das Pech ziemlich an den Füssen klebte, wurde dies nicht mehr bestraft.

Tore: 5’ 0:1 Dornbierer; 28’ 0:2 Hunziker

Lommiswil: Bracher, Herzog, Amiet, Bachmann, Neff, Dornbierer, Hunziker, Sonderegger, Zumstein, Urosevic, Ebel, Roth, Choque